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Kulturbörse Freiburg, Teil 2: Was läuft an einer solchen Messe überhaupt?

Autor : Claude Schoch - Mo, 05.03.2018

Die Kulturbörse Freiburg ist die grösste Kulturmesse im deutschsprachigen Raum. Sie findet jedes Jahr im Januar während 4 Tagen in Freiburg im Breisgau statt. Für unser Programmteam gehört diese Messe zum ergiebigsten Anlass, um das Festivalprogramm zu füllen. In drei Beiträgen wollen wir einen Einblick in diese Veranstaltung geben. Teil 1 beschäftigt sich mit den vielen und grossen Räumlichkeiten, Teil 2 mit den vielfältigen Aktivitäten und Teil 3 mit den eigentlichen Aufgaben des Programmteams an diesem Anlass.

Das Titelbild zeigt den mehrere hundert Seiten dicken Katalog dieser Jubiläumsbörse.

Neben den Veranstaltungssälen (siehe Teil 1) ist die Messehalle das eigentliche Herzstück der Kulturbörse. Hier haben die Agenturen ihre Stände und preisen die Künstlerinnen und Künstler an. Das Besondere ist, dass es nur einen Kurzauftritt für die Künstler gibt, wenn die Agentur einen Messestand gemietet hat. Der Kurzauftritt ist dabei ohne Gage, der Messestand hingegen kostet. Das tönt zwar nicht sehr interessant für die Kulturleute – und trotzdem ist die Nachfrage nach Kurzauftritten um ein Mehrfaches grösser als das Angebot. Das Bild zeigt den Eingang zu dieser Messehalle.

Wie auf jeder Messe gibt es auch an der Kulturbörse viele Sonderveranstaltungen. Plakate machen auf diese Anlässe aufmerksam. Dieses Jahr zum Beispiel einen Poetry-Slam-Abend, einen Variété-Abend (den gibt es jedes Jahr) oder auch einen Schweizer Abend. Dazu später mehr.


 

An den Messetagen ist von morgens 10 Uhr bis abends 22 Uhr überall etwas los. An jedem möglichen und unmöglichen Ort zeigen die Künstler ihre Leistung. Unten sind stellvertretend drei Acts abgebildet. Die Künstler links sind offenbar FC-Basel-Fans. Für den Hochseil-Artisten auf dem Bild in der Mitte hat die Börse in der Messehalle eine spezielle Einrichtung erstellt. Und diese fünf Figuren rechts werden von einer Person bewegt – wirklich eindrücklich. Diese «Aufritte» und alle anderen auch finden neben der ganz normalen Messeaktivität statt.


Auch in den Korridoren gibt es dauernd irgendwelche Shows. Natürlich kommen diese Aktivitäten vor allem aus der Sparte «Strassentheater». Sie machen den Besuch auf der Börse zwar abwechslungsreich, insgesamt überfluten diese vielen Eindrücke für Auge und Ohr aber auch. Das kann man kaum mehr verarbeiten. Unten drei solche Aktivitäten: ein eindrückliches Monster unterwegs, zwei Riesenbäume und – ein Stammgast in Freiburg – die Stelzenfiguren.


Das Ziel dieser Messe ist der Kauf-Verkauf-Prozess zwischen Veranstaltern und Agenturen/Künstlern. Dazu braucht es natürlich vor allem für die Kurzauftritte in den Sälen genaue Pläne. Und was erstaunt – und überzeugt –, diese Pläne werden fast minutengenau eingehalten. Unten der Blick auf drei solche Info-Tafeln. Unten links die Übersicht über das Tagesprogramm im grossen Saal 1. In der Mitte einen Auszug daraus – unter anderem mit zwei Schweizer Auftritten, einer davon mit Künstlern aus Olten! Rechts eine Übersicht über Fachvorträge während der Messe. Zugegeben, da sind wir eigentlich nie dabei – die Themen sind zu stark auf deutsche Verhältnisse ausgelegt.

   

Weil die Messe den Austausch zwischen den Kulturbeteiligten fördern soll, sind die Infomaterialien allgegenwärtig. Das ist sicher auch typisch für andere Messen, also warum auch nicht an einer Kulturbörse. Ob lose auf dem Tisch ausgelegt oder in verschiedensten Formen von Ständern findet man Prospekte, Broschüren, Plakate und auch CDs oder andere Träger von Ton- und Bildmaterial.

 

Das Besondere an dieser Jubiläumsbörse ist das Gastland Schweiz. Für uns ist das ein neuer Aspekt. In den letzten Jahren hat es das an der Kulturbörse in Freiburg nicht gegeben. Mal schauen, ob es im nächsten Jahr ein anderes Gastland gibt. Interessant wäre das schon.
Es ist natürlich kein Zufall, dass das erste Gastland die Schweiz ist. Freiburg und das Schweizer Pendant in Thun sind sich freundschaftlich verbunden. Seit Jahren sind die Börse Freiburg und die KTV-Börse in Thun in bester Zusammenarbeit. Der Schweizer Abend an der Messe in Freiburg ist ein echter Höhepunkt gewesen. Die Bilder zeigen links das Programm dieses Abends und rechts zwei Bilder vom Schweizer resp. KTV-Stand.

 

Es ist unbestritten, dass die Börse für die Künstlerinnen und Künstler, die durch die Auswahljury zum einem Kurzauftritt eingeladen werden, entscheidend sein kann. Das ist logisch, wenn man daran denkt, dass bei einem Auftritt ein paar hundert mögliche Kundinnen und Kunden (sprich Veranstalter) kritisch die 20 Minuten begutachten: Ist der Auftritt erfolgreich, dann strömen die Käufer an die Messestände, ist der Auftritt abgestürzt, dann bleiben die Terminbücher leer. Das ergibt einen Riesendruck. Lisa Catena hat in ihrem Facebook-Post von der Börse entsprechend geschrieben: «Kulturbörse. Der Strassenstrich des Bühnengewerbes ...»

 

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