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Die Laudatio von Alfred Dorfer

Autor : Oltner Kabarett-Tage - Sa, 20.05.2017

Auf Facebook schrieb der diesjährige Gewinner Christoph Sieber:

In der vergangenen Woche durfte ich den Schweizer Kabarettpreis CORNICHON 2017 entgegennehmen. Ich bin sehr dankbar über den Preis und die Laudatio vom großartigen Alfred Dorfer, die ich hier in voller Länge anfüge.
Danke, lieber Alfred, für diese Worte. So was wäre im Leben nicht über mich eingefallen….

Christoph Sieber ist Deutscher, der Preis ist schweizerisch, der Laudator ist aus Österreich. Das klingt ziemlich international. Man könnte auch sagen, das ist typisch, der Deutsche spricht, der Österreicher buckelt und die Schweiz zahlt. Doch so einfach ist es nicht. Gute Satire beginnt zwar oft mit Klischees, endet aber nicht damit. Und der diesjährige Preisträger ist ein hervorragendes Beispiel dafür. «Als Kabarettist bin ich ein Beschreiber der Zeit, jemand, der aufzeigt, was passiert und warum es passiert.» Manche würden das aufklärerisch nennen, im besten Sinnen natürlich. Für mich ist das die Essenz unseres Berufs verknüpft mit der kindlichen Hoffnung, Dinge im Kleinen in Bewegung zu setzen.

Eine andere große Qualität seiner Arbeit ist auch, sich selbst nicht heraus zu stellen aus den Missständen. Kein Besser-Seier zu sein und uns nicht zu langweilen mit moralischen Stehsätzen oder ideologischen Attitüden. «Ich finde es auch ermüdend, immer wieder über Fremdenhass zu reden.» hat er einmal gesagt. Christoph beweist, dass Haltung nicht notwendigerweise verkrampft und ohne Selbstdistanz sein muss. «...aber wir müssen im Umgang mit solchen Themen eine gewisse Gelassenheit rein bekommen.» Das ist der richtige Begriff, eben diese Gelassenheit, die das Ganze fürs Publikum so leicht aussehen lässt. Es muss fast der Eindruck in der Zuhörerschaft entstehen: «Das könnte ich auch!» Was natürlich ein fataler Irrtum ist. Aber das ist die spezifische Qualität dieser Kunstform.

Christophs Stil ist solitär. Er ist brillant, immer famos wechselnd zwischen reiner Satire, Poesie und Sequenzen, die das Lachen verunmöglichen. Außer es ist ein Lachen der Scham. Man könnte auch sagen, er kennt die Gegner von innen sozusagen, denn er ist der Sohn eines Bürgermeisters. Doch er hat natürlich längst begriffen, dass die Zeichen der Zeit längst nicht mehr bedeuten, politische Proponenten zum Hauptobjekt der Satire zu machen. Sein Kabarett ist modern, aktuell im besten Sinne.

Was mir auch besonders gefällt an ihm ist, dass er den Begriff «Bühne» verstanden hat und lebt. Das heißt, er weiß, dass er sich hier in einem Raum bewegt mit besonderen Gesetzen. Seine Performance ist theatralisch im besten Sinne.

Das unterscheidet ihn wohltuend von vielen Kollegen, die im Schweiße unseres Angesichts auf den Brettern stehen und dort sichtbar nicht zu Hause sind. Das aber nicht wissen. Christoph hat eine Pantomimeausbildung, er ist also nicht, wie die meisten Autodidakt. Er kann mit einer kleinen Geste mit einem Blick ganze Welten erschaffen und das halte ich für wirklich große Klasse.

Und schließlich muss auch gesagt werden, was für Sie als Publikum vermutlich nicht so relevant ist, für mich schon: Christoph Sieber ist ein sympathischer, sehr humorvoller Mensch. Und auch das ist in dieser Branche nicht selbstverständlich. Denn sie würden nicht annehmen, wie viele humorlose Satiriker es gibt, die im Privaten langweiliger sind als jene, die sie kritisieren.

Schließlich muss eines klar sein. Man kann ihm in wenigen Minuten natürlich nicht gerecht werden. Ich freue mich aufrichtig, dass er diesen Preis erhält, er ist mehr als würdig. Ich freue mich auch, dass ich das alles, was ich jetzt gesagt habe, ehrlich meine. Und ich nicht über Gebühr höflich sein muss.

Der Cornichon 2017 geht an einen wirklich großen Kollegen, Christoph Sieber.

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